Rund um die Wallonie 2026
Eine Fahrradtour in Belgien und Nordfrankreich
IN ARBEIT
Vorwort
In den Geschichten über die Fahrten nach Paris ist die Ausrüstung recht genau beschrieben, dort wird auch das Kühlsystem für die beiden Trinkflaschen am Rad erläutert. Auch wenn sich das Nachfüllen aus einer mitgeführten Flasche per Schlauch auf dieser Reise nicht bewähren wird, halten die Hüllen aus Frotteestoff das Wasser selbst bei Temperaturen um 35°C angenehm trinkbar, solange man sie feucht halten kann. Da nur Brauchwasser erforderlich ist, bekommt man es an Brunnen oder direkt aus einem Bach oder einem der französischen Kanäle, wenn man es z. B. mit einem Stück Stoff hochholen kann.
Die Beladung entspricht sehr genau der der beiden Radtouren nach Paris, allerdings nehme ich die kleinen Packtaschen wieder nach vorne. Die Halterung der Lenkertasche ist mit einer Verstrebung aus Aluminium jetzt dauerhaft gegen Absenken gesichert, egal wie schlecht der Straßenzustand ist. Der Campinggaskocher C206 ist durch einen Kocher von Primus ersetzt worden, der durch einen Schlauch verbunden ist und dessen Ventil in der Kartusche sitzt. Daher steht der Kochtopf sehr niedrig, weshalb das ganze System nicht mehr so wackelig daherkommt wie das alte.
Im folgenden Text werde ich die Abkürzung «Hm» oder «Δh» für Höhenmeter benutzen. Im Gegensatz zum Ski fahren ist hier «bergauf» die Zielgröße.
Tag 1: Bonn - Camping Fringsmühle, Ahrdorf, 70 km, 580 Hm
Mittwoch, der erste Tag der Tour. Es ist sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit hoch. Ich fahre trotz der Warnung vor Extremtemperaturen los, denn was ist die Alternative? Regen? Dann doch lieber zu heiß als zu nass. Die Enstscheidung wird sich als goldrichtig erweisen.
Der Radweg an der Ahr war fünf lange Jahre praktisch nicht existent, bis auf die Umleitungen
zwischen Bad Neuenahr und der Mündung. Die zum Rheinradweg gehörende Brücke hatte man ziemlich
flott ersetzt, innerhalb von zwei Jahren. Im Rahmen der Planung der Radtour las ich, dass ein
weiteres Teilstück bis zu meinem Starttermin freigegeben würde. Ein triftiger Grund, den Anfang
der Reise auf die neue Trasse zu legen.
Dieser neue Abschnitt ist zwischen Dernau und Rech noch ziemlich provisorisch, aber die 47er Bereifung kommt mit jeder Art von Schotter gut zurecht. Ein Bagger, der an dem Abschnitt arbeitet, lässt mich nach kurzer Wartezeit passieren, und die neuen Streckenabschnitte entlang der Eisenbahn sind tadellos asphaltiert und markiert.
Die Abschnitte auf der Bundesstraße bewältige ich ohne Zwischenfälle. Das ist nicht selbstverständlich
wegen der oft rücksichtslosen Fahrweise der Autofahrer im Ahrtal. Der schon immer fehlende und sehr
lästige Abschnitt bei Schuld soll im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen an der Bahnstrecke ebenfalls
ausgebaut werden.
Am Nachmittag rollt die Hitzewelle durchs Tal. Das Fahren wird mühsam, aber ich kontere diese besondere Anstrengung mit Musik von meinem Streaming-Dienst und einem recht guten Lautsprecher, den ich mit einem leichten Karabienerhaken an der Lenkertasche baumeln lasse. Voll aufgeladen kann ich damit praktisch den ganzen Tag bestreiten. Auf den 70 Kilometern verbrauche ich 4½ Liter Wasser, weitere 3½ am Zelt, davon 1 l Bitburger.
Gute 10 km vor dem Ziel gehen mir dann doch die Kräfte aus. Ich schleppe mich in den kleinen Ort
Antweiler, wo ich auf eine Dorfkneipe treffe. Dort ist gerade ein Reuzech im Gange. Aber scheinbar
werde ich als Abwechslung wahrgenommen, denn eine freundliche Dame organisiert Verpflegung, frisches Wasser,
sowie zwei Brötchen mit Wurst und Käse. Eines davon esse ich, eines packe ich ein für den Abend.
Der Campingplatz Fringsmühle ist schön angelegt, hat große Stellplätze, sauber und gepflegt. Zwei Straßen verlaufen in Hörweite, insbesondere Motorradfahrer nerven mit ihrem Lärm. Der Platz hat einen kleinen Laden, u. a. auch kalte Getränke. Ich kaufe insgesamt drei Flaschen Bit. Danach koche ich erstmals auf dem neuen Primus-Gaskocher einen Kaffee. In dieser lauwarmen Nacht schlafe ich zunächst auf dem ausgerollten Schlafsack, irgendwann in der Nacht krabbel ich dann hinein. Am Morgen stelle ich erfreut fest, dass ich gut geschlafen und nicht geschwitzt habe.
Tag 2: Camping Fringsmühle - Camping l'eau rouge, Spa Francorchamps, 98 km, 680 Hm
Ich stelle den Wecker auf 6 Uhr täglich. Ich bin vor dem Wecker wach und starte früh mit 3½ l Wasser
an Bord. Zunächst fahre ich ein Stück alte Eisenbahntrasse, dann ein wildes auf und ab über die Dörfer
bis zur Kyll, ab wo ich dem Kyllradweg folge, der bald auf einer Eisenbahntrasse (Venn-Querbahn)
fortgeführt wird. Er wechselt zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hin und her, bis er
schließlich an der belgischen Grenze nahtlos in den RAVeL 45a übergeht. 17 km später trifft
dieser auf die Vennbahntrasse, der ich wenige Kilometer bis Waimes folge. Dort hatte ich mich in
Richtung Paris einmal verfahren, jetzt muss ich diesem Abschnitt in Richtung Stavelot folgen.
In Waimes frage ich in einer Apotheke nach einem Lebensmittelladen. Ich gehe noch einmal rein
mit einer Wasserflasche und lasse sie füllen. Die Madame hat Humor: «Bevor Sie umfallen und wir sie
retten müssen, fülle ich Ihnen doch lieber die Flasche.» Danach fahre ich zur Tankstellle und kaufe
eine Flasche Rotwein und eine Cola, Original Taste, die ich zur Hälfte vor Ort leertrinke. Zuletzt
drehe ich eine überflüssige Runde im Ort, um wieder auf die Trasse zu kommen.
Ich passiere in sengender Hitze Malmedy und erreiche den Eisenbahntunnel vor Stavelot, wo es bereits 25 m vor dem Ostportal empfindlich kälter wird. Sehr angenehm. Wenige hundert Meter nach dem Tunnel verpeilt Komoot dann die Abfahrt nach Spa, die hier spitz, halt einer Weiche gleich, abzweigt. Ich hatte die Trasse aber schon auf dem Schirm und verfahre mich folglich nicht.
Gleichmäßig steil ansteigend liegt sie bald sehr viel höher als der Campingplatz, den ich für die
Übernachtung hier ausgesucht hatte. Die geschotterte Abfahrt in freiem Fall hinunter durch den Wald
ist wieder etwas für Spezialisten. Es gibt aber sonst nur eine schmale, stark befahrene Hauptstraße.
An der Rezeption belügt man mich, man hätte keinen Platz mehr frei. Erst als ich die Keule auspacke, die Angabe meines Alters, weist man mir einen Platz zu. Eine Zeltwiese, wie man sie oft findet, gibt es hier nicht. Da an diesem Abend zwei Plätze in meiner Nachbarschaft frei bleiben, ist offensichtlich, dass man noch auf Campingwagen mit mehreren Gästen pro Fahrzeug spekuliert hatte. Der Hintergrund dürfte das anstehende 24 Stunden Rennen von Francorchamps gewesen sein. Der Lärm des Training ist ohrenbetäubend, endet gegen 23 Uhr und startet irgendwann nach Mitternacht erneut. Ich werde zwar wach, schlafe aber umgehend wieder ein. Daran dürfte auch der Côte du Rhône seinen Anteil haben.
Tag 3: Camping l'eau rouge - Camping Les Murets, Esneux, 63 km, 715 Hm
Ich hatte bereits am Abend bemerkt, dass ich bei dem Versuch, den Campingadapter in den Stromkasten einzustecken, Wespen aufgescheuccht hatte. Am nächsten Morgen will ich das Smartphone ein letztes Mal aufladen, da gehen urplötzlich zahllose Wespen auf mich los. Ich registriere zwei Wespenstiche, die aber entweder oberflächlich sind oder die ich einfach gut wegstecke. Jedenfalls gebe ich den Gedanken ans Aufladen auf. Der Forumslader muss es halt während der Fahrt tun, was in einer Hügellandschaft wegen der niedrigen Geschwindigkeiten aber nicht gut funktionieren wird.
Dass ich bis zur Bahntrasse würde schieben müssen, war schon am Vorabend klar; am Ende sind es aber nur zwei kurze Abschnitte des Anstiegs, einer wegen losem Schotter, der andere ist zu steil. Danach geht es im Schatten bis Hockei moderat bergauf. Ich passiere einen weiteren Campingplatz, der an diesem Freitag vor dem Rennen voll belegt ist.
Nach der Passhöhe geht es in flotter Fahrt bis hinunter nach Spa. Im Ort kaufe ich bei einer sehr freundlichen jungen Dame zwei Croissants und ein Pain complet. Ich treffe hier auf den RAVeL Ourthe, der schon bald nach dem Ortsausgang mit der ersten Steigung aufwartet. Bei Winamplanche trennt sich der von mir nach Nummern digitalisierte Weg vom RAVeL-Weg. Ich fahre meinen Nummern nach und komme bald nur noch durch Kurvenfahren überhaupt den Berg hoch. Auf der Höhe treffe ich wieder auf den RAVeL-Weg, der mich über die weiteren Höhen begleitet. Unterwegs frage ich an einem Haus unmittelbar am Weg nach Wasser, was mir genug beschert für den Tag.
An einem Gehöft kurz hinter Playe und der Durchfahrt unter der Autobahn E 25 hocke ich mich unter einen Baum und mache Mittag. Der Anblick der nächsten Steigung zwingt mich zu einer Pause. Da es hier ohnehin keine Bänke gibt, baue ich den Campingstuhl auf. Die schmale Straße ist zwar wenig befahren, aber immer wieder fahren Autos vorbei. Nach mehr als einer Stunde mache ich mich wieder auf den Weg. Der Aufstieg ist steil, aber das Essen hat gutgetan.
Bei Rivage treffe ich dann erstmals auf die Ourthe selbst. Danach geht es eben entlang des Flusses bis Esneux, wo ich mich dann entgültig verfahre. Der Bildschirm ist wegen der großen Helligkeit des Tageslichts schwer abzulesen, selbst im Schatten, und über die erbärmliche Sprachausgabe von Komoot hatte ich mich schon im Rahmen der Fahrt nach Paris ausgelassen.
Am Ende erreiche ich nach über 700 Höhenmetern und bei Temperaturen über 32°C den Camping Les Murets. Man kann eine Pizza bestellen und das Jupiler aus der Flasche ist kalt. Der Platz ist ordentlich geführt, es gibt eine Stelle zum Aufladen von Smartphones an der Rezeption, dazu eine Art Kaffeeautomat, sowie einfache aber saubere Duschen.
Tag 4: Camping Les Murets - JH Liège, 17 km, 35 Hm
Vor der Abfahrt wasche ich meine Radklamotten an einem dazu vorgesehenen Waschbecken. Sie werden auf der Zeltrolle befestigt und im Laufe des äußerst kurzen Tages trocknen. Die JH Liège nimmt keine Reservierungen über Telefon entgegen. Entweder bucht man übers Internet oder man fährt hin. Ich entscheide mich für Letzteres, da die Herberge ohnehin genau auf dem geplanten Weg liegt.
Die Einfahrt in die Stadt erfolgt über Bel Île entlang der Maas. Die JH liegt im Zentrum von
Liège, eingeschlossen von der Maas (la Meuse) und einem Kanal, la Dérivation, was sich mit
Abzweigung oder Ableitung übersetzen lässt. Die JH ist über die Passerelle Saucy mit dem
linken Ufer der Maas verbunden. Die Anfahrt erfolgt dank moderner Navigiation problemlos.
Ebenso einfach ist das Einchecken. Das Fahrrad wird durch die Eingangshalle geschoben, in
der sich neben der Rezeption auch eine Bar befindet. Die Halle ist zugleich Treffpunkt für
Gruppen und Tische sorgen dafür, dass man sich ordentlich verpflegen kann. Das Rad wird im
Hof abgesstellt oder über eine Treppe in den Keller getragen.
Belgien hat acht Jugendherbergen. Weder für Namur noch für Liège ist ein JH-Ausweis erforderlich. Ich zeige ihn trotzdem vor, was mir überraschender Weise eine 10%-ige Ermäßigung beschert, sodass ich letztlich für 28,90 Euro übernachte, Frühstück inbegriffen.
Der Tag hatte echt gruselig angefangen. Das Telefon war in der Nacht ausgefallen, weshalb ich eine
halbe Stunde zu spät aufgestanden war. Die Powerbank des Gleichrichters war ebenfalls leer und der
Rest des Käses hatte Beine bekommen in Form von Maden, die ich vor dem Frühstück erst einmal
zur Seite schaffen musste ...
Nach meiner Ankunft um 11 Uhr lade ich zunächst noch Uhr und Smartphone auf. Da die Vergaabe der Schlafplätze erst am frühen Nachmittag erfolgt, mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Die Kathedrale ist der einzige kühle Ort ohne Klimaanlage. Da der nächste Campingplatz auf meiner geplanten Route knapp 100 km entfernt ist, ist es klüger, die erwarteten 37°C in der JH zu verbringen als mit beladenem Rad auf der Straße. Tatsächllich wird der Wert an diesem Tag auch erreicht. Das Besondere ist, dass die Temperaturspitzen in diesem Sommer regelmäßig erst gegen 18 Uhr auftreten. Als ich etwa um diese Zeit einkaufen gehe, ist kein Mensch auf der Straße und der Unterschied zwischen gekühltem Geschäft und draußen enorm.
In der JH treffe ich auf einen Franzosen, vielleicht fünf Jahre jünger als ich, der auch mit dem
Rad unterwegs ist. Er behauptet, 30 kg Gepäck dabei zu haben, was meine Zuladung um 5 kg
übertreffen würde. Er ist jeden Morgen gegen 7 Uhr unterwegs, ohne Frühstück, um die kühlen Stunden
des Tages zu nutzen. Wir erzählen ein wenig und ich verstehe ihn gut. Den Abend untermalen wir
mit der einen oder anderen Flasche Jupiler, die hier wie üblich 0,25 l enthält. Anders als
ich macht er jeden sechsten Tag einen Ruhetag. Daher treffe ich ihn am nächsten Morgen entspannt
beim Frühstück.
In so einer Nacht würde ich natürlich lieber im Zelt schlafen. Irgendwer aus dem Viererzimmer hat an der Rezeption einen Ventilator ornanisiert, der die ganze Nacht über läuft. Wieder sind es zwei junge Holländer, die mir übel auffallen. Sie haben ihre Betten vor dem Weggang in die Stadt nicht gemacht und schlafen auf der gummibeschichteten Matraze, weil sie dazu, um 5 Uhr auftauchend, weder willens noch in der Lage sind. Als sie mir den Ventilator vor die Nase stellen, fauche ich sie an. Das Ding wandert auf einen der Schränke. Dass es in Liège keine Nachtruhe gibt, hatte ich gelesen. Das stört mich nicht. Im Gegensatz zu schlechtem Benehmen.
In der Nacht regnet es erstmals heftig, begleitet von Windböen, die mein Fahrrad im Hof umwerfen. Dabei kühlt es kaum ab. Trotz alledem schlafe ich erstaunlich gut. Ausgeruht bin ich einer der ersten beim Frühstück.
Tag 5: JH Liège - Camping Bergendal, Loonbeck, 90 km, 540 Hm
Sonntag. Ich frühstücke ausgiebig. Da ich wegen meiner Erkrankung ohnehin nicht essen kann ohne zu trinken, nehme ich gleich zwei Tassen am Automaten und stelle sie aufs Tablett. Der Kaffee ist gut, der Orangensaft auch.
Kann man nicht an der Maas bleiben, muss man in Liège überall steil den Berg hoch. In Richtung
Aachen hat man eine sensationelle Lösung implementiert, die der alten Bahntrasse folgt. Damit
erklimmt ein voll beladenes Tourenrad die Höhen ohne Probleme. Nach Westen hin hat man unter
der E 25 in Höhe der Auffahrt Liège Centre einen Radweg angelegt, der in nicht zu engen
Serpentinen Höhe gewinnt. Eine Treppe erlaubt Fußgängern einen schnellen Aufstieg. Der
Höhenunterschied von 20 m würde für den direkten Aufstieg eine 15%-ige Steigung bedeuten.
Am Beginn der Auffahrt treffe ich auf einen aktuellen Aufruf für Kidical Mass Demos in der Stadt. Von der Demo in Remscheid im Vorjahr habe ich noch einen Aufkleber auf dem Rad.
Nach dieser erfreulichen Erfahrung mit dem Rad folgt sogleich eine unerfreuliche, diesmal sind
es zwei überaus unverschämte Polizistinnen. Sie haben auf der Rue Albert Charlet an einer Brücke
eine Straßensperre eingerichtet, aber nur mit «Verbot der Einfahrt». Ich diskutiere mit ihnen,
ob man ein beladenes Rad nicht vorsichtig passieren lassen könne, aber das ruft die für Frauen
typischen Rechthabereieffekte auf den Plan: «Wir sind die Polizei, mit uns wird nicht diskutiert.»
Na, da kennen sie mich aber schlecht. Ich sage ihnen, dass ich mit ihrem Vorgesetzte sprechen will, was sie augenscheinlich richtig wütend macht. Dann gebe ich an, dass ich unter die Brücke fahren müsse, um den Bildschirm ablesen zu können, im Schatten. Das führt wiederum dazu, dass sie mir den Weg versperren. Neben dem Polizeiwagen gibt es Schatten, an dem Fahrzeug komme ich nicht vorbei, also lasssen sie mich dort hin. Ich frage sie, wo denn die Sperre ende. Sie möchten mir das doch bitte auf der Karte zeigen, damit ich den Bereich umfahren kann. «Bis dahin, irgendwo.» Die Chefin der beiden zeigt auf einen Weg mitten im nächsten Ort. Inkompetenz mag ich besonders. Immerhin kann ich im Schatten eine nur für das Fahrrad zugängliche Umfahrung erkennen. Ich folge dem Weg, an dessen Ende ich den Polizeiwagen in etwa 200 m Entfernung unter der Brücke erkennen kann.
Auf der Umfahrung komme ich der Landebahn des Flughafens Liège bis auf wenige Meter nahe. Zunächst folge ich Ortsstraßen. Dann lenkt mich meine umgeplante Tour auf die N 3, an der ich unglaubliche 24 km entlang fahre. Der Radweg ist gut ausgebaut und oft mehrere Meter von der Fahrbahn getrennt. Er ist sauber und der Wind ist nicht gegen mich. Und weil es Sonntag ist, gibt es auch keinen lästigen Lastkraftverkehr. An einer Tankstelle mit einem gut ausgestatteten Shop kaufe ich ein.
Für meine Geduld werde ich dann doch noch belohnt. Auf dem Weg nach Sint-Truiden beginnt hinter einer Kaserne mit einem Starfighter als Ausstellungssstück die Bebauung entlang der Nationalstraße. Die Häuser sind soweit zurückgesetzt, dass man davor parken kann, ohne Radfahrer zu behindern. Bestimmte Häuser haben sehr offensichtlich «Laufkundschaft». Nicht nur dass einige der eingeschossigen Ein- oder Zweifamilienhäuser eindeutig erotische Namen tragen, der zu Brustem gehörende Luikersteenweg, wie die N 3 hier heißt, ist als Rotlichtviertel gelistet. Hinter großen Glasscheiben werben spärlichst bekleidete Damen um Freier.
Zwischen dem Ortsausgang von Sint-Truiden und Tienen führt der Weg für mehr als 13 km über eine alte Bahntrasse. Dann schließen sich Nebenstraßen an, die etwa 10 km vor Sint-Joris-Weert an einem Waldweg enden, der mit leichtem auf und ab bis in den Ort führt, ein sehr schöner Weg durch den Wald. Aus dem Waldschatten kommend folgen Nebenstraßen und ordentliche Feldwege bis Loonbeek, teils entlang eines Bachs. Die letzten 50 Hm vom Bach zum Campingplatz Bergendal sind extrem, zuletzt muss man einen Hohlweg bezwingen, der sehr steil ist und nur in trockenem Zustand hinreichend Griff bietet. Am Platz gibt es kalte Getränke aber keinen Alkohol. Die Zeltwiese ist üppig groß und von altem Baumbestand umringt. Der Luftverkehr des Flughafens Brüssel ist deutlich wahrnehmbar.
Tag 6: Camping Bergendal - Camping De Gavers, 88 km, 515 Hm
Es ist der einzige Moment der dreiwöchigen Reise, der vom Regen bestimmt wird. Ich wache vor meinem Wecker auf, was oft passiert, etwa eine Viertelstunde früher, und höre ihn fallen. Der erste Blick gilt folglich dem Regenradar, das ich für die Reise auf meinen aktuellen Standort zugreifen lasse. Das Regenband ist klein und soll bis Punkt 7 Uhr vorbeigezogen sein. Ich breche daher mit einer Stunde Verspätung auf.
Der erste Abschnitt wird von schlechten Straßen und starken Steigungen geprägt. Der Lohn ist eine von Straßenverkehr unbehelligte Fahrt über Land. Ich hatte die Tour über Löwen (Louvain) gelegt, um alle größeren Städte in der Region einmal zu sehen. Beim Umplanen der Route hatte ich übersehen, dass sich eine Stichstrecke nach Löwen ergeben hatte. Ich verfahre mich an dem entscheidenden Kreisverkehr. Als ich dahin zurückkehre, behauptet Komoot, ich sei zurück auf der Strecke und solle links abbiegen. Diese Anweisung überspringt die Stichstrecke nach Löwen und lenkt mich direkt auf den Radweg nach Brüssel. Als ich den Irrtum bemerke, bin ich schon drei Kilometer in Richtung Brüssel unterwegs. Ich kehre nicht mehr um.
Die Anfahrt auf Brüssel ist grotesk. Der Radweg ist perfekt ausgebaut, neu, aber er folgt mit Konsequenz der Autobahn. Kurzzeitig verlässt er diese und geht über Land. Am Ende ist man wieder an der Autobahn. Der Abstand beträgt etwa 30 m, aber nur da, wo der Radweg tiefer liegt als die Autobahn, kann man in Ruhe fahren. Ansonsten ist der Lärm ziemlich heftig. Wäre ich meinem ursprünglichen Plan gefolgt, hätte ich nicht nur die Autobahn gemieden, ich hätte auch Löwen und Kortenberg gesehen.
Die auf dem Radwegesystem aufbauende Planung von Komoot führt mich eher zufällig an dem Gebäude vorbei, in dem die EU-Kommission ihren Sitz hat. Ich mache dort eine kurze Pause aber nur ein Selfie, das von sozialen Medien völlig zu Recht nach 24 h wieder gelöscht und daher hier auch nicht gezeigt wird. Danach fahre ich in den Parc de Bruxelles/Warandepark. Brüssel ist konsequent zweisprachig, was vor allem dann nervt, wenn die Navigation alle Straßennamen zweimal aufsagt, einmal Französich auf Deutsch und einmal Flämisch auf Deutsch, beides nicht sehr überzeugend.
Im Park treffe ich auf zwei deutsche Mädels, die ihr Abitur gemacht haben und nun auf Europareise sind. Der Park wird von einem großen Springbrunnen dominiert, der während der Pause im Gegenlicht liegt und so auch einem Fotoshooting entgeht. Ich komme recht gut aus der Stadt wieder hinaus, der einzig offensichtliche Umweg ist einer Baustelle geschuldet. Ich verlasse Brüssel über Anderlecht, passiere einige kleinere Ortschaften, um dann der Eisenbahnlinie von Scheepdal bis kurz vor Denderleeuw zu folgen. Dabei wechselt die Nebenstraße oder der Radweg immer wieder die Seiten.
Der Camping Reamerik in Denderhoutem ist stillgelegt. Das hatte ich aufgrund
fehlender Suchtreffer und mangels Telefonverbindung bereits vermutet. Mit der
Gelassenheit der Fliege auf meinem Daumen nehme ich die Richtungsänderung
in kauf. Ich telefoniere mit dem Camping De Gavers, der 27 km entfernt ist.
Große Teile des Wegs sind Nebenstraßen oder Radwege entlang eines Flusses, der
kanalisiert wirkt aber kein Kanal ist. So endet die Fahrt nach dem Lärm der
Autobahn nahe Brüssel doch noch irgendwie idyllisch.
Der Campingplatz liegt an einem ausgedehnten Naherholungsgebiet, von dem er auch den Namen übernommen hat, hat eine schöne, große Zeltwiese in der Nähe der sanitären Anlagen, ist gepflegt, ausgesprochen freundlich geführt und wird von einem Shop flankiert, in dem ich Sonnencreme kaufe. Den Bedarf hierfür hatte ich unterschätzt.
Wie jeden Abend sende ich nach dem Einchecken zuerst meiner Frau den Standort, damit sie die Tour verfolgen kann und weiß, dass ich heil angekommen bin. Später werden wir dann telefonieren. An diesem Abend bin ich nicht allein. Ein junges Paar, er Franzose mit einem Tourenrad, sie Amerikanerin, kräftige Figur und ein Liegendrad fahrend, gesellen sich zu mir. Sie hat jedenfalls Humor. Als ich die beiden darauf anspreche, dass er das gesamte Gepäck transportiert, antwortet sie unumwunden und frei von Komplexen, dass sie mit ihrem Körpergewicht schon genug zu kämpfen habe. «Wir haben das so verabredet ...»
Tag 7: Camping De Gavers - Camping Memling, Brügge, 89 km, 320 Hm
Am Stellplatz treffe ich auf ein älteres deutsches Ehepaar, das einen Platz südlich von Gent sucht.
Abends, kurz vor Brügge, treffe ich auf ...
Er ist von den technischen Details des Rades begeistert. Und von Radtouren. Ich gebe ihm den link auf die Fahrradseite per QR-Code.
Der Platz wird ordentlich verwaltet, die Fahrradwiese ist den Namen auch wert.
Tag 8: C.Memling - Camping Greenpark, De Panne, 93 km, 180 Hm
Mittwoch.
Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Nach kaum mehr als 3 Stunden bin ich unterwegs. Da das Wetter gestern sehr schlecht war, wenn auch weitgehend trocken, besuche ich Brügge an diesem Morgen.
Ausfahrt entlang eines Kanals, Autoverkehr auf der anderen Seite. Nach Kanalwechsel folgt ein sensationell neuer Radweg zwischen extrem hohen Buchen.
Bei km 18 hinter Brügge, Buchenallee geht in Sand über. Auf nächster Brücke über den Kanal und weiter bis Zeebrügge. Fährhafen, auch für Autos von und nach Fernost.
Tag 9: Camping Greenpark - Camping des Noires Mottes, 93 km, 140 Hm
Kühler Start, im langen Hemd, Sonne erst gegen 13 Uhr. Noch in Flandern treffe ich in einem kleinen Ort auf einen großen Fahrradladen. Da seit kurzem die Bremsen quietschen, kaufe ich 4 neue für 20 Euro. Wenig später fahre ich über die Grenze, was ich aber nur an der Art der Ausschilderung erkennen kann. Die
Bremsklötze in Bushaltestelle vor Dünkirchen gewechselt.
Tag 10: Camping des Noires Mottes - Camping Mini-Park, 95 km, 720 Hm
Ich breche auf mit dem Bewusstsein, dass 100 km entlang der Küste bei Rückenwind nicht schlimm sein können.
Ehepaar, fährt über le Havre, Seine, Paris.
700 Höhenmeter.
Schreibe abends an den Besitzer des Noires Mottes, dass ich noch bezahlen werde nach meiner Rückkehr nach Deutschland.
Tag 11: Camping Mini-Park - Camping de l'Abîme, Picquigny, 107 km, 150 Hm
Der Tag zerfällt in zwei Teile, bis zum Ende des Mittagessens und danach. Davor landschaftlich indifferent, sehr kühl und mangels Sonne düster, danach, wenige Kilometer von der Küste entfernt, uneingeschränkt sonnig. Mittagessen geht so, esse die kleinsten Muscheln ever.
...
Schöner Campingplatz, netter Besitzer, gute Atmosphäre. Mit Strom 12 Euro, 9 waren mir dann doch zu wenig. Eisenbahn direkt am Platz.
Am Nachmittag antwortet der Besitzer des Noires Mottes, dass ich (wohl wegen Geringfügigkeit) nichts bezahlen muss.
Tag 12: Camping de l'Abîme - Camping Port de Plaisance, Péronne, 82 km, 190 Hm
Sonntag.
Schnelle Tour mit früh(er)em Start gegen 8:30, steter Rückenwind. 14:30 Uhr am Platz. Zuvor Klamotten gewaschen, fast trocken am Ziel. Platz ist gefällig mit Schatten, liegt fußläufig zum Ort und hat einen kleinen Laden, wo ich Wein, Süßes und Chips erstehe.
Fahre bei Amiens nicht ins Zentrum. Die Kathedrale bleibt so in einem nichtfotogenen Umfeld.
Kleine Pause bei ... im Schatten an der Somme. Netter Rastplatz.
Tag 13: Camping Port de Plaisance - Camping au bord de l'aisne, Guignicourt, 146 km, 595 Hm
Längster Tag, den die neue Uhr aufgezeichnet hat. Tag beginnt bedeckt und kühl. Das Zelt trocknet nicht ab. Bin kurz vor 9 unterwegs, habe nur wenige Meter bis zum Leinpfad und setze die Tour fort. Nach einigen Kilometern trennt sich die kanalisierte Somme vom Canal du Nord. Eine Anzeigetafel weist den Schiffern den Weg.
Am Canal du Nord treffe ich auf umgestürzte Bäume, einer versperrt noch den Weg. Krabbele mit Rad drunter her. Bei Noyon fahre ich zunächst am Kanal weiter, wobei mich auf der Zufahrt eine im Schatten liegende Bremsschwelle fast vom Rad wirft. Dann wende ich, verpasse aber das Zentrum, weil mir der Radweg am Kanal besser gefällt. Wasser habe ich genug. Von den insgesamt 4 Litern trinke ich drei, auch weil ich in einem Carrefour bei ... zwei Flaschen Cola zum aktuellen Promotionpreis kaufe. Gegen 18 Uhr bin ich beim Camping du Lac am See von ... bei Monampteuil. Der Platz ist geschlossen. Ich konnte ihn telefonisch nicht erreichen und bin nicht weiter erstaunt.
Unweit des Sees finde ich eine Bank im Schatten. Ich mache nach dem Einkauf und einem Riegel Snickers bei km 110 die erste Pause. Die Temperatur hat bereits am frühen Nachmittag die 30° Marke geknackt, was mich aber nicht gestört hatte, weil die Fahrt entlang der Kanäle wenig Kraft kostet.
Bei dieser Pause koche ich vier«Frankforter», die ich im Carrefour erstanden hatte, in jenem Kafferwassertopf. Zwei der Würstchen platzen auf, ein unversehrtes nehme ich für abends mit.
Vom Rastplatz aus telefoniere ich mit Guignicourt, die mir sagen, dass nach 22 Uhr nichts mehr geht, also räume ich ein und mache mich gegen 19:00 Uhr auf den Weg. 35 km sind noch zu fahren.
Die Steigungen sind moderat.
Komme am Abend im langärmeligen Hemd zum Campingplatz. Im Wald vor Guignicourt sind die Bremsen über mich hergefallen, da hilft nur (dickere) Bekleidung, kenne ich bereits von Collobrières, Côte d'Azur. Bei 30° kann man immer noch so fahren.
Erreiche den Platz um 3 vor 9, kann noch einchecken und ein großes Bier trinken. Habe noch Wein dabei und trinke die Cola-Flasche leer. Um Mitternacht bin ich geduscht und im Bett.
Tag 14: Camping au bord de l'aisne - Camping à la ferme, Neuville-Day, 70 km, 210 Hm
Falsche Lage in camping.info, wie so oft. Platz liegt auf Berg. Letzte Steigung mörderisch. Netter Platz gute, saubere Sanitäranlagen. Wiese ziemlich geneigt. Cidre gekauft für 3,50. Nur 2% Alkohol. Bin um 10 im Bett.
Tag 15: Camping à la ferme, Neuville - Day-Camping Trintigny, 91 km, 745 Hm
Mittwoch.
Der Tag beginnt um 5:45 Uhr. Um 8 Uhr abfahrbereit, beim Start reißt eines der Gummis ...
Schöner Morgen, knapp 30 km entlang der Kanäle, dann über die Höhen bei Bulson. Kein Problem.
Diesmal abweichende Streckenführung von Douzy nach Messingcourt. Sehr schön. Dort Rast am Bach, «Eulenbrücke».
Dann Bahnstrecke bis Sainte-Cécile, vorbei am Camping les Cabrettes nach Chassepièrre. Im Ort Flamen getroffen, sie spricht (hartes) Französisch.
Camping Trintigny 4-Sterne. Anfahrt über sehr schöne, neue Bahnstrecke, Betonplatten, breit. Letzte 5 km auf gut ausgebautem Radweg entlang der N83, 2-3 m von der Straße getrennt.
Tag 16: Camping Trintigny - Camping Mosella, Remich, 86 km, 680 Hm
Die Kuriosität dieses Tages: Ich suche eine Kartusche Primus Gas. Waltraud hat recherchiert, dass es das in einem Einkaufszentrum in Luxemburg Stadt gibt. Witziger Weise liegt es 30 m von der Tour entfernt.
Sécurité und Krankenwagen. Schild.
Tag 17: Camping Mosella - Camping Weierweiler Mühle, 62 km, 929 Hm
Ich verlasse den Platz gegen 8 Uhr, werfe den Schlüssel für die Sanitäranlagen in den Briefkasten und folge den Angaben der Navigation. Schon nach wenigen Kilometern biege ich auf eine Straße ein, die mit einem der berüchtigten Steigungsschildern beginnt: Diese Straße steigt 250 Meter auf 5 km. Kurios ist, dass man den Radweg auf die linke Seite des Aufstiegs gelegt hat, immerhin mit Doppelmarkierung und akustischem Überfahrschutz. Die Steilheit erlaubt ein gerades Hinauffahren. Danach geht es durch Ortschaften und auf Nebenstraßen, die es in sich haben. Ein Mähdrescher mit Kettenantrieb vorne überholt mich am Berg. Danach fahre ich einige Kilometer auf einer Landstraße.
Fahrrad vor Brücke abgerutscht.
Auf den letzten zwei Kilometern fahre ich über 60 Höhenmeter, am Ende sind es 929. Ein Höhenmeterrekord für die neue Uhr.
Tag 18: Camping Weierweiler Mühle - Camping Bostalsee, 48 km, 629 Hm
Gestern hatte ich am Camping Bostalsee angerufen und gefragt, bis wann ich ankommen könne. Aber ich habe gut daran getan, nicht soweit zu fahren, denn dann wären noch einmal 620 Höhenmeter dazu gekommen, wieder auf absurd steilen Strecken. Immerhin gelingt es mir, an einem REWE in Thailen Bargeld zu bekommen, 200 Euro. Der Umweg ist gering, der Nutzen ist groß.
Der mittlere Streckenabschnitt ist massiv steil. Viele Passagen schaffe ich nur, weil ich kreuz und quer über die Straße fahre. Dabei hole ich fast einen Stromradfahrer vom Rad, der sich am Rande vorbei quetschen muss. Seine Frau kommt dem Sturz noch näher. Wie dämlich muss man sein, die Situation derart falsch einzuschätzen?
Der Campingplatz Bostalsee ist groß und flexibel hinsichtlich der Aufnahme von Einzelwanderern. Es gibt kein Tor und keine Duschmarken, aber eine Karte mit 10 Euro Pfand als Zugang zu den Duschen. Die Zeltplätze sind hinreichend eben, Strom ist am Platz und im Preis von 26,50 Euro inbegriffen.
An diesem Tag überschreitet die Zahl der Kilometer erstmals die 1500er Marke. Die Tour ist damit die längste seit 1993. Und noch liegen mehr als 270 km vor mir.
Tag 19: Camping Bostalsee - Camping Nahemühle, 76 km, 580 Hm
Der Sonntag beginnt mit einer Katastrophe. Beim Verlassen des Campingplatzes stelle ich fest, dass der Freilauf nicht mehr funktioniert, diesmal ist es die Mechanik. Zwar bekomme ich ihn ans Laufen, aber nicht immer und nicht nachhaltig. Die 76 km bis zum nächsten Camping werden eine Tortur, insbesondere bergab. Wenn ich nicht schnell genug treten kann, muss ich bremsen. Immerhin bringe ich das Rad bis ins Ziel.
Das Fahren mit einem defekten Freilauf bedeutet, dass die Kette die Pedale unentwegt bewegt.
Tag 20: Camping Nahemühle - Weiler, 54 km, 380 Hm
Fahre vom Campingplatz nach Sobernheim, wo ich am Fahrradladen ... vorstellig werde. Nach Abladen und Ausbau des Hinterrads stellt der Chef fest, dass der Freilauf ersetzt werden muss. Vor Ort geht das nicht.
Bevor ich Bad Kreuznach erreiche, steht hinter dem Niederthaler Hof noch eine Bergprüfung auf dem Programm. Der Weg ist steil aber wenig befahren, sodass ich mit Meandrieren gut klarkomme. Die Abfahrt ist anspruchsvoll ohne Freilauf, da der größte Gang nicht reicht, um mitzutreten. Also bin ich viel mit der Bremse unterwegs.
Danach versuche ich Freunde anzurufen, aber es geht niemand ans Telefon. AB besprochen, keine Reaktion.
Ca. 8 km vor Weiler lasse ich Google die Route berechnen. Über die Talstraße in Münster-Sarmsheim führt der aus Mitteln der EU finanzierte Weg hinauf auf die Höhen. Nach einigen hundert Metern biegt man rechts ab auf eine Schotterpiste, dann scharf links. Schließlich erkenne ich den Weg wieder, den wir vor Jahren, zu Fuß aus Rümmelsheim kommend, genommen hatten. Gegen 16 Uhr erreiche ich Weiler.
Tag 21: Weiler bei Bingen - Bonn, 139 km, 240 Hm
Ich hatte mir fest vorgenommen, die Tour nicht über drei Wochen auszudehnen. Das würde nur gehen, wenn ich die letzten 140 km an einem Tag fahren würde. Das Wetter ist an diesem Dienstag ganz klar gegen mich. Große Hitze um 32°C und starker Gegenwind am späten Nachmittag bis 40 km/h lassen böses ahnen.
Nach 1.800 km und 12.800 Höhenmetern bin ich wieder zu Hause. Das Rad geht am Tag danach zur Reparatur. Es wird auf ein komplett neues Hinterrad herauslaufen nach 45.000 km Laufleistung.
Die Reise