Rund um die Wal­lo­nie 2026

Ei­ne Fahr­rad­tour in Bel­gi­en und Nord­frank­reich

IN ARBEIT

Vor­wort

In den Ge­schich­ten über die Fahr­ten nach Pa­ris ist die Aus­rüs­tung recht ge­nau be­schrie­ben, dort wird auch das Kühl­sys­tem für die bei­den Trink­fla­schen am Rad er­läu­tert. Auch wenn sich das Nach­fül­len aus ei­ner mit­ge­führ­ten Fla­sche per Schlauch auf die­ser Rei­se nicht be­wäh­ren wird, hal­ten die Hül­len aus Frot­tee­stoff das Was­ser selbst bei Tem­pe­ra­tu­ren um 35°C an­ge­nehm trink­bar, so­lan­ge man sie feucht hal­ten kann. Da nur Brauch­was­ser er­for­der­lich ist, be­kommt man es an Brun­nen oder di­rekt aus ei­nem Bach oder ei­nem der fran­zö­si­schen Kanä­le, wenn man es z. B. mit ei­nem Stück Stoff hoch­ho­len kann.

Die Be­la­dung ent­spricht sehr ge­nau der der bei­den Rad­tou­ren nach Pa­ris, al­ler­dings neh­me ich die klei­nen Pack­ta­schen wie­der nach vor­ne. Die Hal­te­rung der Len­ker­ta­sche ist mit ei­ner Ver­stre­bung aus Alu­mi­ni­um jetzt dau­er­haft ge­gen Ab­sen­ken ge­si­chert, egal wie schlecht der Stra­ßen­zu­stand ist. Der Cam­ping­gas­ko­cher C206 ist durch ei­nen Ko­cher von Pri­mus er­setzt wor­den, der durch ei­nen Schlauch ver­bun­den ist und des­sen Ven­til in der Kar­tu­sche sitzt. Da­her steht der Koch­topf sehr nied­rig, wes­halb das gan­ze Sys­tem nicht mehr so wa­cke­lig da­her­kommt wie das al­te.

Im fol­gen­den Text wer­de ich die Ab­kür­zung «Hm» oder «Δh» für Hö­hen­me­ter be­nut­zen. Im Ge­gen­satz zum Ski fah­ren ist hier «berg­auf» die Ziel­grö­ße.

Tag 1: Bonn - Cam­ping Frings­müh­le, Ahr­dorf, 70 km, 580 Hm

Mitt­woch, der ers­te Tag der Tour. Es ist sehr heiß und die Luft­feuch­tig­keit hoch. Ich fah­re trotz der War­nung vor Ex­trem­tem­pe­ra­tu­ren los, denn was ist die Al­ter­na­ti­ve? Re­gen? Dann doch lie­ber zu heiß als zu nass. Die Enst­schei­dung wird sich als gold­rich­tig er­wei­sen.

Wallonie 2026, neuer Ahrradweg, Tunnel bei Mayschoß Der Rad­weg an der Ahr war fünf lan­ge Jah­re prak­tisch nicht exis­tent, bis auf die Um­lei­tun­gen zwi­schen Bad Neu­e­nahr und der Mün­dung. Die zum Rhein­rad­weg ge­hö­ren­de Brücke hat­te man ziem­lich flott er­setzt, in­ner­halb von zwei Jah­ren. Im Rah­men der Pla­nung der Rad­tour las ich, dass ein wei­te­res Teil­stück bis zu mei­nem Start­ter­min frei­ge­ge­ben wür­de. Ein trif­ti­ger Grund, den An­fang der Rei­se auf die neue Tras­se zu le­gen.

Die­ser neue Ab­schnitt ist zwi­schen Der­nau und Rech noch ziem­lich pro­vi­so­risch, aber die 47er Be­rei­fung kommt mit je­der Art von Schot­ter gut zu­recht. Ein Bag­ger, der an dem Ab­schnitt ar­bei­tet, lässt mich nach kur­zer War­te­zeit pas­sie­ren, und die neu­en Stre­cken­ab­schnit­te ent­lang der Ei­sen­bahn sind ta­del­los as­phal­tiert und mar­kiert.

Wallonie 2026, neuer Ahrradweg, Ahrschleife bei Laach Die Ab­schnit­te auf der Bun­des­stra­ße be­wäl­ti­ge ich oh­ne Zwi­schen­fäl­le. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich we­gen der oft rück­sichts­lo­sen Fahr­wei­se der Au­to­fah­rer im Ahr­tal. Der schon im­mer feh­len­de und sehr läs­ti­ge Ab­schnitt bei Schuld soll im Zu­sam­men­hang mit den Bau­maß­nah­men an der Bahn­stre­cke eben­falls aus­ge­baut wer­den.

Am Nach­mit­tag rollt die Hit­ze­wel­le durchs Tal. Das Fah­ren wird müh­sam, aber ich kon­te­re die­se be­son­de­re An­stren­gung mit Mu­sik von mei­nem Stre­a­ming-Dienst und ei­nem recht gu­ten Laut­spre­cher, den ich mit ei­nem leich­ten Ka­ra­bie­ner­ha­ken an der Len­ker­ta­sche bau­meln las­se. Voll auf­ge­la­den kann ich da­mit prak­tisch den gan­zen Tag be­strei­ten. Auf den 70 Ki­lo­me­tern ver­brau­che ich 4½ Li­ter Was­ser, wei­te­re 3½ am Zelt, da­von 1 l Bit­bur­ger.

Wallonie 2026, neuer Ahrradweg, Bahnhof Altenahr Gu­te 10 km vor dem Ziel ge­hen mir dann doch die Kräf­te aus. Ich schlep­pe mich in den klei­nen Ort Ant­wei­ler, wo ich auf ei­ne Dorf­knei­pe tref­fe. Dort ist ge­ra­de ein Reu­zech im Gan­ge. Aber schein­bar wer­de ich als Ab­wechs­lung wahr­ge­nom­men, denn ei­ne freund­li­che Da­me or­ga­ni­siert Ver­pfle­gung, fri­sches Was­ser, so­wie zwei Bröt­chen mit Wurst und Kä­se. Ei­nes da­von es­se ich, ei­nes pa­cke ich ein für den Abend.

Der Cam­ping­platz Frings­müh­le ist schön an­ge­legt, hat gro­ße Stell­plät­ze, sau­ber und ge­pflegt. Zwei Stra­ßen ver­lau­fen in Hör­wei­te, ins­be­son­de­re Mo­tor­rad­fah­rer ner­ven mit ih­rem Lärm. Der Platz hat ei­nen klei­nen La­den, u. a. auch kal­te Ge­trän­ke. Ich kau­fe ins­ge­samt drei Fla­schen Bit. Da­nach ko­che ich erst­mals auf dem neu­en Pri­mus-Gas­ko­cher ei­nen Kaf­fee. In die­ser lau­war­men Nacht schla­fe ich zu­nächst auf dem aus­ge­roll­ten Schlaf­sack, ir­gend­wann in der Nacht krab­bel ich dann hin­ein. Am Mor­gen stel­le ich er­freut fest, dass ich gut ge­schla­fen und nicht ge­schwitzt ha­be.

Tag 2: Cam­ping Frings­müh­le - Cam­ping l'eau rou­ge, Spa Fran­cor­champs, 98 km, 680 Hm

Wallonie 2026, Venn-Querbahn, Grenze zu Belgien Ich stel­le den We­cker auf 6 Uhr täg­lich. Ich bin vor dem We­cker wach und star­te früh mit 3½ l Was­ser an Bord. Zu­nächst fah­re ich ein Stück al­te Ei­sen­bahn­tras­se, dann ein wil­des auf und ab über die Dör­fer bis zur Kyll, ab wo ich dem Kyll­rad­weg fol­ge, der bald auf ei­ner Ei­sen­bahn­tras­se (Venn-Quer­bahn) fort­ge­führt wird. Er wech­selt zwi­schen Rhein­land-Pfalz und Nord­rhein-West­fa­len hin und her, bis er schließ­lich an der bel­gi­schen Gren­ze naht­los in den RAVeL 45a über­geht. 17 km spä­ter trifft die­ser auf die Venn­bahn­tras­se, der ich we­ni­ge Ki­lo­me­ter bis Wai­mes fol­ge. Dort hat­te ich mich in Rich­tung Pa­ris ein­mal ver­fah­ren, jetzt muss ich die­sem Ab­schnitt in Rich­tung Sta­ve­lot fol­gen.

In Wai­mes fra­ge ich in ei­ner Apo­the­ke nach ei­nem Le­bens­mit­tel­la­den. Ich ge­he noch ein­mal rein mit ei­ner Was­ser­fla­sche und las­se sie fül­len. Die Ma­da­me hat Hu­mor: «Be­vor Sie um­fal­len und wir sie Wallonie 2026, Ostportal des Tunnels bei Stavelot ret­ten müs­sen, fül­le ich Ih­nen doch lie­ber die Fla­sche.» Da­nach fah­re ich zur Tank­stell­le und kau­fe ei­ne Fla­sche Rot­wein und ei­ne Co­la, Ori­gi­nal Tas­te, die ich zur Hälf­te vor Ort leer­trin­ke. Zu­letzt dre­he ich ei­ne über­flüs­si­ge Run­de im Ort, um wie­der auf die Tras­se zu kom­men.

Ich pas­sie­re in sen­gen­der Hit­ze Mal­me­dy und er­rei­che den Ei­sen­bahn­tun­nel vor Sta­ve­lot, wo es be­reits 25 m vor dem Ost­por­tal emp­find­lich käl­ter wird. Sehr an­ge­nehm. We­ni­ge hun­dert Me­ter nach dem Tun­nel ver­peilt Ko­moot dann die Ab­fahrt nach Spa, die hier spitz, halt ei­ner Wei­che gleich, ab­zweigt. Ich hat­te die Tras­se aber schon auf dem Schirm und ver­fah­re mich folg­lich nicht.

Gleich­mä­ßig steil an­stei­gend liegt sie bald sehr viel hö­her als der Cam­ping­platz, den ich für die Über­nach­tung hier aus­ge­sucht hat­te. Die ge­schot­ter­te Ab­fahrt in frei­em Fall hin­un­ter durch den Wald Wallonie 2026, Côte du Rhône am Camping l'eau rouge ist wie­der et­was für Spe­zia­lis­ten. Es gibt aber sonst nur ei­ne schma­le, stark be­fah­re­ne Haupt­stra­ße.

An der Re­zep­ti­on be­lügt man mich, man hät­te kei­nen Platz mehr frei. Erst als ich die Keu­le aus­pa­cke, die An­ga­be mei­nes Al­ters, weist man mir ei­nen Platz zu. Ei­ne Zelt­wie­se, wie man sie oft fin­det, gibt es hier nicht. Da an die­sem Abend zwei Plät­ze in mei­ner Nach­bar­schaft frei blei­ben, ist of­fen­sicht­lich, dass man noch auf Cam­ping­wa­gen mit meh­re­ren Gäs­ten pro Fahr­zeug spe­ku­liert hat­te. Der Hin­ter­grund dürf­te das an­ste­hen­de 24 Stun­den Ren­nen von Fran­cor­champs ge­we­sen sein. Der Lärm des Trai­ning ist oh­ren­be­täu­bend, en­det ge­gen 23 Uhr und star­tet ir­gend­wann nach Mit­ter­nacht er­neut. Ich wer­de zwar wach, schla­fe aber um­ge­hend wie­der ein. Da­ran dürf­te auch der Côte du Rhô­ne sei­nen An­teil ha­ben.

Tag 3: Cam­ping l'eau rou­ge - Cam­ping Les Mu­rets, Es­neux, 63 km, 715 Hm

Ich hat­te be­reits am Abend be­merkt, dass ich bei dem Ver­such, den Cam­ping­adap­ter in den Strom­kas­ten ein­zu­ste­cken, Wes­pen auf­ge­scheuccht hat­te. Am nächs­ten Mor­gen will ich das Smart­phone ein letz­tes Mal auf­la­den, da ge­hen ur­plötz­lich zahl­lo­se Wes­pen auf mich los. Ich re­gis­trie­re zwei Wes­pen­sti­che, die aber ent­we­der ober­fläch­lich sind oder die ich ein­fach gut weg­ste­cke. Je­den­falls ge­be ich den Ge­dan­ken ans Auf­la­den auf. Der Fo­rums­la­der muss es halt wäh­rend der Fahrt tun, was in ei­ner Hü­gel­land­schaft we­gen der nied­ri­gen Ge­schwin­dig­kei­ten aber nicht gut funk­tio­nie­ren wird.

Dass ich bis zur Bahn­tras­se wür­de schie­ben müs­sen, war schon am Vor­abend klar; am En­de sind es aber nur zwei kur­ze Ab­schnit­te des An­stiegs, ei­ner we­gen lo­sem Schot­ter, der an­de­re ist zu steil. Da­nach geht es im Schat­ten bis Hock­ei mo­de­rat berg­auf. Ich pas­sie­re ei­nen wei­te­ren Cam­ping­platz, der an die­sem Frei­tag vor dem Ren­nen voll be­legt ist.

Nach der Pass­hö­he geht es in flot­ter Fahrt bis hin­un­ter nach Spa. Im Ort kau­fe ich bei ei­ner sehr freund­li­chen jun­gen Da­me zwei Croissants und ein Pain com­plet. Ich tref­fe hier auf den RAVeL Our­the, der schon bald nach dem Orts­aus­gang mit der ers­ten Stei­gung auf­war­tet. Bei Win­am­plan­che trennt sich der von mir nach Num­mern di­gi­ta­li­sier­te Weg vom RAVeL-Weg. Ich fah­re mei­nen Num­mern nach und kom­me bald nur noch durch Kur­ven­fah­ren über­haupt den Berg hoch. Auf der Hö­he tref­fe ich wie­der auf den RAVeL-Weg, der mich über die wei­te­ren Hö­hen be­glei­tet. Un­ter­wegs fra­ge ich an ei­nem Haus un­mit­tel­bar am Weg nach Was­ser, was mir ge­nug be­schert für den Tag.

An ei­nem Ge­höft kurz hin­ter Playe und der Durch­fahrt un­ter der Au­to­bahn E 25 hocke ich mich un­ter ei­nen Baum und ma­che Mit­tag. Der An­blick der nächs­ten Stei­gung zwingt mich zu ei­ner Pau­se. Da es hier oh­ne­hin kei­ne Bän­ke gibt, baue ich den Cam­ping­stuhl auf. Die schma­le Stra­ße ist zwar we­nig be­fah­ren, aber im­mer wie­der fah­ren Au­tos vor­bei. Nach mehr als ei­ner Stun­de ma­che ich mich wie­der auf den Weg. Der Auf­stieg ist steil, aber das Es­sen hat gut­ge­tan.

Bei Ri­va­ge tref­fe ich dann erst­mals auf die Our­the selbst. Da­nach geht es eben ent­lang des Flus­ses bis Es­neux, wo ich mich dann ent­gül­tig ver­fah­re. Der Bild­schirm ist we­gen der gro­ßen Hel­lig­keit des Ta­ges­lichts schwer ab­zu­le­sen, selbst im Schat­ten, und über die er­bärm­li­che Sprach­aus­ga­be von Ko­moot hat­te ich mich schon im Rah­men der Fahrt nach Pa­ris aus­ge­las­sen.

Am En­de er­rei­che ich nach über 700 Hö­hen­me­tern und bei Tem­pe­ra­tu­ren über 32°C den Cam­ping Les Mu­rets. Man kann ei­ne Piz­za be­stel­len und das Ju­pi­ler aus der Fla­sche ist kalt. Der Platz ist or­dent­lich ge­führt, es gibt ei­ne Stel­le zum Auf­la­den von Smart­pho­nes an der Re­zep­ti­on, da­zu ei­ne Art Kaf­fee­au­to­mat, so­wie ein­fa­che aber sau­be­re Du­schen.

Tag 4: Cam­ping Les Mu­rets - JH Liè­ge, 17 km, 35 Hm

Vor der Ab­fahrt wa­sche ich mei­ne Rad­kla­mot­ten an ei­nem da­zu vor­ge­se­he­nen Wasch­be­cken. Sie wer­den auf der Zel­trol­le be­fes­tigt und im Lau­fe des äu­ßerst kur­zen Ta­ges trock­nen. Die JH Liè­ge nimmt kei­ne Re­ser­vie­run­gen über Te­le­fon ent­ge­gen. Ent­we­der bucht man übers In­ter­net oder man fährt hin. Ich ent­schei­de mich für Letz­te­res, da die Her­ber­ge oh­ne­hin ge­nau auf dem ge­plan­ten Weg liegt.

Wallonie 2026, Anfahrt auf Liège/Lüttich Die Ein­fahrt in die Stadt er­folgt über Bel Île ent­lang der Maas. Die JH liegt im Zen­trum von Liè­ge, ein­ge­schlos­sen von der Maas (la Meu­se) und ei­nem Kanal, la Déri­va­ti­on, was sich mit Ab­zwei­gung oder Ablei­tung über­set­zen lässt. Die JH ist über die Pas­se­rel­le Sau­cy mit dem lin­ken Ufer der Maas ver­bun­den. Die An­fahrt er­folgt dank mo­der­ner Na­vi­gia­ti­on pro­blem­los. Eben­so ein­fach ist das Ein­che­cken. Das Fahr­rad wird durch die Ein­gangs­hal­le ge­scho­ben, in der sich ne­ben der Re­zep­ti­on auch ei­ne Bar be­fin­det. Die Hal­le ist zu­gleich Treff­punkt für Grup­pen und Ti­sche sor­gen da­für, dass man sich or­dent­lich ver­pfle­gen kann. Das Rad wird im Hof ab­ge­s­stellt oder über ei­ne Trep­pe in den Kel­ler ge­tra­gen.

Bel­gi­en hat acht Ju­gend­her­ber­gen. We­der für Na­mur noch für Liè­ge ist ein JH-Aus­weis er­for­der­lich. Ich zei­ge ihn trotz­dem vor, was mir über­ra­schen­der Wei­se ei­ne 10%-ige Er­mä­ßi­gung be­schert, so­dass ich letzt­lich für 28,90 Euro über­nach­te, Früh­stück in­be­grif­fen.

Wallonie 2026, Fenster der Kathedrale von Liège/Lüttich Der Tag hat­te echt gru­se­lig an­ge­fan­gen. Das Te­le­fon war in der Nacht aus­ge­fal­len, wes­halb ich ei­ne hal­be Stun­de zu spät auf­ge­stan­den war. Die Po­wer­bank des Gleich­rich­ters war eben­falls leer und der Rest des Kä­ses hat­te Bei­ne be­kom­men in Form von Ma­den, die ich vor dem Früh­stück erst ein­mal zur Sei­te schaf­fen muss­te ...

Nach mei­ner An­kunft um 11 Uhr la­de ich zu­nächst noch Uhr und Smart­phone auf. Da die Ver­gaa­be der Schlaf­plät­ze erst am frü­hen Nach­mit­tag er­folgt, ma­che ich mich auf den Weg in die Stadt. Die Ka­the­dra­le ist der ein­zi­ge küh­le Ort oh­ne Kli­ma­an­la­ge. Da der nächs­te Cam­ping­platz auf mei­ner ge­plan­ten Rou­te knapp 100 km ent­fernt ist, ist es klü­ger, die er­war­te­ten 37°C in der JH zu ver­brin­gen als mit be­la­de­nem Rad auf der Stra­ße. Tat­sächllich wird der Wert an die­sem Tag auch er­reicht. Das Be­son­de­re ist, dass die Tem­pe­ra­tur­spit­zen in die­sem Som­mer re­gel­mä­ßig erst ge­gen 18 Uhr auf­tre­ten. Als ich et­wa um die­se Zeit ein­kau­fen ge­he, ist kein Mensch auf der Stra­ße und der Un­ter­schied zwi­schen ge­kühl­tem Ge­schäft und drau­ßen enorm.

Wallonie 2026, Fenster der Kathedrale von Liège/Lüttich In der JH tref­fe ich auf ei­nen Fran­zo­sen, viel­leicht fünf Jah­re jün­ger als ich, der auch mit dem Rad un­ter­wegs ist. Er be­haup­tet, 30 kg Ge­päck da­bei zu ha­ben, was mei­ne Zu­la­dung um 5 kg über­tref­fen wür­de. Er ist je­den Mor­gen ge­gen 7 Uhr un­ter­wegs, oh­ne Früh­stück, um die küh­len Stun­den des Ta­ges zu nut­zen. Wir er­zäh­len ein we­nig und ich ver­ste­he ihn gut. Den Abend un­ter­ma­len wir mit der ei­nen oder an­de­ren Fla­sche Ju­pi­ler, die hier wie üb­lich 0,25 l ent­hält. An­ders als ich macht er je­den sechs­ten Tag ei­nen Ru­he­tag. Da­her tref­fe ich ihn am nächs­ten Mor­gen ent­spannt beim Früh­stück.

In so ei­ner Nacht wür­de ich na­tür­lich lie­ber im Zelt schla­fen. Ir­gend­wer aus dem Vierer­zim­mer hat an der Re­zep­ti­on ei­nen Ven­ti­la­tor orna­ni­siert, der die gan­ze Nacht über läuft. Wie­der sind es zwei jun­ge Hol­län­der, die mir übel auf­fal­len. Sie ha­ben ih­re Bet­ten vor dem Weg­gang in die Stadt nicht ge­macht und schla­fen auf der gum­mi­be­schich­te­ten Ma­tra­ze, weil sie da­zu, um 5 Uhr auf­tau­chend, we­der wil­lens noch in der La­ge sind. Als sie mir den Ven­ti­la­tor vor die Na­se stel­len, fau­che ich sie an. Das Ding wan­dert auf ei­nen der Schrän­ke. Dass es in Liè­ge kei­ne Nachtru­he gibt, hat­te ich ge­le­sen. Das stört mich nicht. Im Ge­gen­satz zu schlech­tem Be­neh­men.

In der Nacht reg­net es erst­mals hef­tig, be­glei­tet von Wind­böen, die mein Fahr­rad im Hof um­wer­fen. Da­bei kühlt es kaum ab. Trotz al­le­dem schla­fe ich er­staun­lich gut. Aus­ge­ruht bin ich ei­ner der ers­ten beim Früh­stück.

Tag 5: JH Liè­ge - Cam­ping Ber­gen­dal, Loon­beck, 90 km, 540 Hm

Sonn­tag. Ich früh­stücke aus­gie­big. Da ich we­gen mei­ner Er­kran­kung oh­ne­hin nicht es­sen kann oh­ne zu trin­ken, neh­me ich gleich zwei Tas­sen am Au­to­ma­ten und stel­le sie aufs Ta­blett. Der Kaf­fee ist gut, der Oran­gen­saft auch.

Wallonie 2026, Liège, Aufruf zur Kidical Mass Demo Kann man nicht an der Maas blei­ben, muss man in Liè­ge über­all steil den Berg hoch. In Rich­tung Aa­chen hat man ei­ne sen­sa­tio­nel­le Lö­sung im­ple­men­tiert, die der al­ten Bahn­tras­se folgt. Da­mit er­klimmt ein voll be­la­de­nes Tou­ren­rad die Hö­hen oh­ne Pro­ble­me. Nach Wes­ten hin hat man un­ter der E 25 in Hö­he der Auf­fahrt Liè­ge Cen­tre ei­nen Rad­weg an­ge­legt, der in nicht zu en­gen Ser­pen­ti­nen Hö­he ge­winnt. Ei­ne Trep­pe er­laubt Fuß­gän­gern ei­nen schnel­len Auf­stieg. Der Hö­hen­un­ter­schied von 20 m wür­de für den di­rek­ten Auf­stieg ei­ne 15%-ige Stei­gung be­deu­ten.

Am Be­ginn der Auf­fahrt tref­fe ich auf ei­nen ak­tu­el­len Auf­ruf für Ki­di­cal Mass De­mos in der Stadt. Von der De­mo in Rem­scheid im Vor­jahr ha­be ich noch ei­nen Auf­kle­ber auf dem Rad.

Nach die­ser er­freu­li­chen Er­fah­rung mit dem Rad folgt so­gleich ei­ne un­er­freu­li­che, dies­mal sind Wallonie 2026, Straßensperre es zwei über­aus un­ver­schäm­te Po­li­zis­tin­nen. Sie ha­ben auf der Rue Al­bert Char­let an ei­ner Brücke ei­ne Stra­ßen­sper­re ein­ge­rich­tet, aber nur mit «Ver­bot der Ein­fahrt». Ich dis­ku­tie­re mit ih­nen, ob man ein be­la­de­nes Rad nicht vor­sich­tig pas­sie­ren las­sen kön­ne, aber das ruft die für Frau­en ty­pi­schen Recht­ha­be­rei­ef­fek­te auf den Plan: «Wir sind die Po­li­zei, mit uns wird nicht dis­ku­tiert.»

Na, da ken­nen sie mich aber schlecht. Ich sa­ge ih­nen, dass ich mit ih­rem Vor­ge­setz­te spre­chen will, was sie au­gen­schein­lich rich­tig wü­tend macht. Dann ge­be ich an, dass ich un­ter die Brücke fah­ren müs­se, um den Bild­schirm ab­le­sen zu kön­nen, im Schat­ten. Das führt wie­der­um da­zu, dass sie mir den Weg ver­sper­ren. Ne­ben dem Po­li­zei­wa­gen gibt es Schat­ten, an dem Fahr­zeug kom­me ich nicht vor­bei, al­so lass­sen sie mich dort hin. Ich fra­ge sie, wo denn die Sper­re en­de. Sie möch­ten mir das doch bit­te auf der Kar­te zei­gen, da­mit ich den Be­reich um­fah­ren kann. «Bis da­hin, ir­gend­wo.» Die Che­fin der bei­den zeigt auf ei­nen Weg mit­ten im nächs­ten Ort. In­kom­pe­tenz mag ich be­son­ders. Im­mer­hin kann ich im Schat­ten ei­ne nur für das Fahr­rad zu­gäng­li­che Um­fah­rung er­ken­nen. Ich fol­ge dem Weg, an des­sen En­de ich den Po­li­zei­wa­gen in et­wa 200 m Ent­fer­nung un­ter der Brücke er­ken­nen kann.

Auf der Um­fah­rung kom­me ich der Lan­de­bahn des Flug­ha­fens Liè­ge bis auf we­ni­ge Me­ter na­he. Zu­nächst fol­ge ich Orts­stra­ßen. Dann lenkt mich mei­ne um­ge­plan­te Tour auf die N 3, an der ich un­glaub­li­che 24 km ent­lang fah­re. Der Rad­weg ist gut aus­ge­baut und oft meh­re­re Me­ter von der Fahr­bahn ge­trennt. Er ist sau­ber und der Wind ist nicht ge­gen mich. Und weil es Sonn­tag ist, gibt es auch kei­nen läs­ti­gen Last­kraft­ver­kehr. An ei­ner Tank­stel­le mit ei­nem gut aus­ge­stat­te­ten Shop kau­fe ich ein.

Für mei­ne Ge­duld wer­de ich dann doch noch be­lohnt. Auf dem Weg nach Sint-Trui­den be­ginnt hin­ter ei­ner Ka­ser­ne mit ei­nem Star­figh­ter als Aus­s­tel­lungs­sstück die Be­bau­ung ent­lang der Na­tio­nal­stra­ße. Die Häu­ser sind so­weit zu­rück­ge­setzt, dass man da­vor par­ken kann, oh­ne Rad­fah­rer zu be­hin­dern. Be­stimm­te Häu­ser ha­ben sehr of­fen­sicht­lich «Lauf­kund­schaft». Nicht nur dass ei­ni­ge der ein­ge­schos­si­gen Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser ein­deu­tig ero­ti­sche Na­men tra­gen, der zu Brus­tem ge­hö­ren­de Lui­kers­teen­weg, wie die N 3 hier heißt, ist als Rot­licht­vier­tel ge­lis­tet. Hin­ter gro­ßen Glas­schei­ben wer­ben spär­lichst be­klei­de­te Da­men um Frei­er.

Zwi­schen dem Orts­aus­gang von Sint-Trui­den und Tie­nen führt der Weg für mehr als 13 km über ei­ne al­te Bahn­tras­se. Dann schlie­ßen sich Ne­ben­stra­ßen an, die et­wa 10 km vor Sint-Joris-Weert an ei­nem Wald­weg en­den, der mit leich­tem auf und ab bis in den Ort führt, ein sehr schö­ner Weg durch den Wald. Aus dem Wald­schat­ten kom­mend fol­gen Ne­ben­stra­ßen und or­dent­li­che Feld­we­ge bis Loon­beek, teils ent­lang ei­nes Bachs. Die letz­ten 50 Hm vom Bach zum Cam­ping­platz Ber­gen­dal sind ex­trem, zu­letzt muss man ei­nen Hohl­weg be­zwin­gen, der sehr steil ist und nur in tro­cke­nem Zu­stand hin­rei­chend Griff bie­tet. Am Platz gibt es kal­te Ge­trän­ke aber kei­nen Al­ko­hol. Die Zelt­wie­se ist üp­pig groß und von al­tem Baum­be­stand um­ringt. Der Luft­ver­kehr des Flug­ha­fens Brüs­sel ist deut­lich wahr­nehm­bar.

Tag 6: Cam­ping Ber­gen­dal - Cam­ping De Ga­vers, 88 km, 515 Hm

Es ist der ein­zi­ge Mo­ment der drei­wö­chi­gen Rei­se, der vom Re­gen be­stimmt wird. Ich wa­che vor mei­nem We­cker auf, was oft pas­siert, et­wa ei­ne Vier­tel­stun­de frü­her, und hö­re ihn fal­len. Der ers­te Blick gilt folg­lich dem Re­gen­ra­dar, das ich für die Rei­se auf mei­nen ak­tu­el­len Stand­ort zu­grei­fen las­se. Das Re­gen­band ist klein und soll bis Punkt 7 Uhr vor­bei­ge­zo­gen sein. Ich bre­che da­her mit ei­ner Stun­de Ver­spä­tung auf.

Der ers­te Ab­schnitt wird von schlech­ten Stra­ßen und star­ken Stei­gun­gen ge­prägt. Der Lohn ist ei­ne von Stra­ßen­ver­kehr un­be­hel­lig­te Fahrt über Land. Ich hat­te die Tour über Lö­wen (Lou­vain) ge­legt, um al­le grö­ße­ren Städ­te in der Re­gi­on ein­mal zu se­hen. Beim Um­pla­nen der Rou­te hat­te ich über­se­hen, dass sich ei­ne Stich­stre­cke nach Lö­wen er­ge­ben hat­te. Ich ver­fah­re mich an dem ent­schei­den­den Kreis­ver­kehr. Als ich da­hin zu­rück­keh­re, be­haup­tet Ko­moot, ich sei zu­rück auf der Stre­cke und sol­le links ab­bie­gen. Die­se An­wei­sung über­springt die Stich­stre­cke nach Lö­wen und lenkt mich di­rekt auf den Rad­weg nach Brüs­sel. Als ich den Irr­tum be­mer­ke, bin ich schon drei Ki­lo­me­ter in Rich­tung Brüs­sel un­ter­wegs. Ich keh­re nicht mehr um.

Die An­fahrt auf Brüs­sel ist gro­tesk. Der Rad­weg ist per­fekt aus­ge­baut, neu, aber er folgt mit Kon­se­quenz der Au­to­bahn. Kurz­zei­tig ver­lässt er die­se und geht über Land. Am En­de ist man wie­der an der Au­to­bahn. Der Ab­stand be­trägt et­wa 30 m, aber nur da, wo der Rad­weg tiefer liegt als die Au­to­bahn, kann man in Ru­he fah­ren. An­sons­ten ist der Lärm ziem­lich hef­tig. Wä­re ich mei­nem ur­sprüng­li­chen Plan ge­folgt, hät­te ich nicht nur die Au­to­bahn ge­mie­den, ich hät­te auch Lö­wen und Kor­ten­berg ge­se­hen.

Die auf dem Rad­we­ge­sys­tem auf­bau­en­de Pla­nung von Ko­moot führt mich eher zu­fäl­lig an dem Ge­bäu­de vor­bei, in dem die EU-Kom­mis­si­on ih­ren Sitz hat. Ich ma­che dort ei­ne kur­ze Pau­se aber nur ein Sel­fie, das von so­zia­len Me­di­en völ­lig zu Recht nach 24 h wie­der ge­löscht und da­her hier auch nicht ge­zeigt wird. Da­nach fah­re ich in den Parc de Bru­xel­les/Wa­ran­de­park. Brüs­sel ist kon­se­quent zwei­spra­chig, was vor al­lem dann nervt, wenn die Na­vi­ga­ti­on al­le Stra­ßen­na­men zwei­mal auf­sagt, ein­mal Fran­zö­sich auf Deutsch und ein­mal Flä­misch auf Deutsch, bei­des nicht sehr über­zeu­gend.

Im Park tref­fe ich auf zwei deut­sche Mä­dels, die ihr Abi­tur ge­macht ha­ben und nun auf Eu­ro­parei­se sind. Der Park wird von ei­nem gro­ßen Spring­brun­nen do­mi­niert, der wäh­rend der Pau­se im Ge­gen­licht liegt und so auch ei­nem Fo­to­s­hoo­ting ent­geht. Ich kom­me recht gut aus der Stadt wie­der hin­aus, der ein­zig of­fen­sicht­li­che Um­weg ist ei­ner Bau­stel­le ge­schul­det. Ich ver­las­se Brüs­sel über An­der­lecht, pas­sie­re ei­ni­ge klei­ne­re Ort­schaf­ten, um dann der Ei­sen­bahn­li­nie von Scheep­dal bis kurz vor Den­der­leeuw zu fol­gen. Da­bei wech­selt die Ne­ben­stra­ße oder der Rad­weg im­mer wie­der die Sei­ten.

Wallonie 2026, Liège, Aufruf zur Kidical Mass Demo Der Cam­ping Re­a­me­rik in Den­der­hou­tem ist still­ge­legt. Das hat­te ich auf­grund feh­len­der Suchtref­fer und man­gels Te­le­fon­ver­bin­dung be­reits ver­mu­tet. Mit der Ge­las­sen­heit der Flie­ge auf mei­nem Dau­men neh­me ich die Rich­tungs­än­de­rung in kauf. Ich te­le­fo­nie­re mit dem Cam­ping De Ga­vers, der 27 km ent­fernt ist. Gro­ße Tei­le des Wegs sind Ne­ben­stra­ßen oder Rad­we­ge ent­lang ei­nes Flus­ses, der ka­na­li­siert wirkt aber kein Kanal ist. So en­det die Fahrt nach dem Lärm der Au­to­bahn na­he Brüs­sel doch noch ir­gend­wie idyl­lisch.

Der Cam­ping­platz liegt an ei­nem aus­ge­dehn­ten Nah­er­ho­lungs­ge­biet, von dem er auch den Na­men über­nom­men hat, hat ei­ne schö­ne, gro­ße Zelt­wie­se in der Nä­he der sa­ni­tär­en An­la­gen, ist ge­pflegt, aus­ge­spro­chen freund­lich ge­führt und wird von ei­nem Shop flan­kiert, in dem ich Son­nen­cre­me kau­fe. Den Be­darf hier­für hat­te ich un­ter­schätzt.

Wie je­den Abend sen­de ich nach dem Ein­che­cken zu­erst mei­ner Frau den Stand­ort, da­mit sie die Tour ver­fol­gen kann und weiß, dass ich heil an­ge­kom­men bin. Spä­ter wer­den wir dann te­le­fo­nie­ren. An die­sem Abend bin ich nicht al­lein. Ein jun­ges Paar, er Fran­zo­se mit ei­nem Tou­ren­rad, sie Ame­ri­ka­ne­rin, kräf­ti­ge Fi­gur und ein Lie­gen­drad fah­rend, ge­sel­len sich zu mir. Sie hat je­den­falls Hu­mor. Als ich die bei­den dar­auf an­spre­che, dass er das ge­sam­te Ge­päck trans­por­tiert, ant­wor­tet sie un­um­wun­den und frei von Kom­ple­xen, dass sie mit ih­rem Kör­per­ge­wicht schon ge­nug zu kämp­fen ha­be. «Wir ha­ben das so ver­ab­re­det ...»

Tag 7: Cam­ping De Ga­vers - Cam­ping Mem­ling, Brüg­ge, 89 km, 320 Hm

Am Stell­platz tref­fe ich auf ein äl­te­res deut­sches Ehe­paar, das ei­nen Platz süd­lich von Gent sucht.

Abends, kurz vor Brüg­ge, tref­fe ich auf ...

Er ist von den tech­ni­schen De­tails des Ra­des be­geis­tert. Und von Rad­tou­ren. Ich ge­be ihm den link auf die Fahr­rad­sei­te per QR-Code.

Der Platz wird or­dent­lich ver­wal­tet, die Fahr­rad­wie­se ist den Na­men auch wert.

Tag 8: C.Mem­ling - Cam­ping Green­park, De Pan­ne, 93 km, 180 Hm

Mitt­woch.

Der We­cker klin­gelt um 6 Uhr. Nach kaum mehr als 3 Stun­den bin ich un­ter­wegs. Da das Wet­ter ges­tern sehr schlecht war, wenn auch weit­ge­hend tro­cken, be­su­che ich Brüg­ge an die­sem Mor­gen.

Aus­fahrt ent­lang ei­nes Kanals, Au­to­ver­kehr auf der an­de­ren Sei­te. Nach Kanal­wech­sel folgt ein sen­sa­tio­nell neu­er Rad­weg zwi­schen ex­trem ho­hen Bu­chen.

Bei km 18 hin­ter Brüg­ge, Bu­chen­al­lee geht in Sand über. Auf nächs­ter Brücke über den Kanal und wei­ter bis Zee­brüg­ge. Fähr­ha­fen, auch für Au­tos von und nach Fernost.

Tag 9: Cam­ping Green­park - Cam­ping des Noi­res Mot­tes, 93 km, 140 Hm

Küh­ler Start, im lan­gen Hemd, Son­ne erst ge­gen 13 Uhr. Noch in Flan­dern tref­fe ich in ei­nem klei­nen Ort auf ei­nen gro­ßen Fahr­rad­la­den. Da seit kur­z­em die Brem­sen quiet­schen, kau­fe ich 4 neue für 20 Euro. We­nig spä­ter fah­re ich über die Gren­ze, was ich aber nur an der Art der Aus­schil­de­rung er­ken­nen kann. Die

Brems­klöt­ze in Bus­hal­te­stel­le vor Dün­kir­chen ge­wech­selt.

Tag 10: Cam­ping des Noi­res Mot­tes - Cam­ping Mini-Park, 95 km, 720 Hm

Ich bre­che auf mit dem Be­wusst­sein, dass 100 km ent­lang der Küs­te bei Rücken­wind nicht schlimm sein kön­nen.

Ehe­paar, fährt über le Ha­vre, Sei­ne, Pa­ris.

700 Hö­hen­me­ter.

Schrei­be abends an den Be­sit­zer des Noi­res Mot­tes, dass ich noch be­zah­len wer­de nach mei­ner Rück­kehr nach Deutsch­land.

Tag 11: Cam­ping Mini-Park - Cam­ping de l'Abî­me, Pic­quigny, 107 km, 150 Hm

Der Tag zer­fällt in zwei Tei­le, bis zum En­de des Mit­ta­ges­sens und da­nach. Da­vor land­schaft­lich in­dif­fe­rent, sehr kühl und man­gels Son­ne düs­ter, da­nach, we­ni­ge Ki­lo­me­ter von der Küs­te ent­fernt, un­ein­ge­schränkt son­nig. Mit­ta­ges­sen geht so, es­se die kleins­ten Mu­scheln ever.

...

Schö­ner Cam­ping­platz, net­ter Be­sit­zer, gu­te At­mo­sphä­re. Mit Strom 12 Euro, 9 wa­ren mir dann doch zu we­nig. Ei­sen­bahn di­rekt am Platz.

Am Nach­mit­tag ant­wor­tet der Be­sit­zer des Noi­res Mot­tes, dass ich (wohl we­gen Ge­ring­fü­gig­keit) nichts be­zah­len muss.

Tag 12: Cam­ping de l'Abî­me - Cam­ping Port de Plai­sance, Péron­ne, 82 km, 190 Hm

Sonn­tag.

Schnel­le Tour mit früh(er)em Start ge­gen 8:30, ste­ter Rücken­wind. 14:30 Uhr am Platz. Zu­vor Kla­mot­ten ge­wa­schen, fast tro­cken am Ziel. Platz ist ge­fäl­lig mit Schat­ten, liegt fuß­läu­fig zum Ort und hat ei­nen klei­nen La­den, wo ich Wein, Sü­ßes und Chips er­ste­he.

Fah­re bei Amiens nicht ins Zen­trum. Die Ka­the­dra­le bleibt so in ei­nem nicht­fo­to­ge­nen Um­feld.

Klei­ne Pau­se bei ... im Schat­ten an der Som­me. Net­ter Rast­platz.

Tag 13: Cam­ping Port de Plai­sance - Cam­ping au bord de l'aisne, Gui­gni­court, 146 km, 595 Hm

Längs­ter Tag, den die neue Uhr auf­ge­zeich­net hat. Tag be­ginnt be­deckt und kühl. Das Zelt trock­net nicht ab. Bin kurz vor 9 un­ter­wegs, ha­be nur we­ni­ge Me­ter bis zum Lein­pfad und set­ze die Tour fort. Nach ei­ni­gen Ki­lo­me­tern trennt sich die ka­na­li­sier­te Som­me vom Canal du Nord. Ei­ne An­zei­ge­ta­fel weist den Schif­fern den Weg.

Am Canal du Nord tref­fe ich auf um­ge­stürz­te Bäu­me, ei­ner ver­sperrt noch den Weg. Krab­be­le mit Rad drun­ter her. Bei No­y­on fah­re ich zu­nächst am Kanal wei­ter, wo­bei mich auf der Zu­fahrt ei­ne im Schat­ten lie­gen­de Brems­schwel­le fast vom Rad wirft. Dann wen­de ich, ver­pas­se aber das Zen­trum, weil mir der Rad­weg am Kanal bes­ser ge­fällt. Was­ser ha­be ich ge­nug. Von den ins­ge­samt 4 Li­tern trin­ke ich drei, auch weil ich in ei­nem Car­re­four bei ... zwei Fla­schen Co­la zum ak­tu­el­len Pro­mo­tion­preis kau­fe. Ge­gen 18 Uhr bin ich beim Cam­ping du Lac am See von ... bei Mo­n­amp­teuil. Der Platz ist ge­schlos­sen. Ich konn­te ihn te­le­fo­nisch nicht er­rei­chen und bin nicht wei­ter er­staunt.

Un­weit des Sees fin­de ich ei­ne Bank im Schat­ten. Ich ma­che nach dem Ein­kauf und ei­nem Rie­gel Snickers bei km 110 die ers­te Pau­se. Die Tem­pe­ra­tur hat be­reits am frü­hen Nach­mit­tag die 30° Mar­ke ge­knackt, was mich aber nicht ge­stört hat­te, weil die Fahrt ent­lang der Kanä­le we­nig Kraft kos­tet.

Bei die­ser Pau­se ko­che ich vier«Frank­for­ter», die ich im Car­re­four er­stan­den hat­te, in je­nem Kaf­fer­was­ser­topf. Zwei der Würst­chen plat­zen auf, ein un­ver­sehr­tes neh­me ich für abends mit.

Vom Rast­platz aus te­le­fo­nie­re ich mit Gui­gni­court, die mir sa­gen, dass nach 22 Uhr nichts mehr geht, al­so räu­me ich ein und ma­che mich ge­gen 19:00 Uhr auf den Weg. 35 km sind noch zu fah­ren.

Die Stei­gun­gen sind mo­de­rat.

Kom­me am Abend im lang­är­me­li­gen Hemd zum Cam­ping­platz. Im Wald vor Gui­gni­court sind die Brem­sen über mich her­ge­fal­len, da hilft nur (di­cke­re) Be­klei­dung, ken­ne ich be­reits von Col­lo­bri­ères, Côte d'Azur. Bei 30° kann man im­mer noch so fah­ren.

Er­rei­che den Platz um 3 vor 9, kann noch ein­che­cken und ein großes Bier trin­ken. Ha­be noch Wein da­bei und trin­ke die Cola-Fla­sche leer. Um Mit­ter­nacht bin ich ge­duscht und im Bett.

Tag 14: Cam­ping au bord de l'aisne - Cam­ping à la fer­me, Neu­ville-Day, 70 km, 210 Hm

Fal­sche La­ge in cam­ping.in­fo, wie so oft. Platz liegt auf Berg. Letz­te Stei­gung mör­de­risch. Net­ter Platz gu­te, sau­be­re Sa­ni­tär­an­la­gen. Wie­se ziem­lich ge­neigt. Cid­re ge­kauft für 3,50. Nur 2% Al­ko­hol. Bin um 10 im Bett.

Tag 15: Cam­ping à la fer­me, Neu­ville - Day-Cam­ping Trin­tigny, 91 km, 745 Hm

Mitt­woch.

Der Tag be­ginnt um 5:45 Uhr. Um 8 Uhr ab­fahr­be­reit, beim Start reißt ei­nes der Gum­mis ...

Schö­ner Mor­gen, knapp 30 km ent­lang der Kanä­le, dann über die Hö­hen bei Bul­son. Kein Pro­blem.

Dies­mal ab­wei­chen­de Stre­cken­füh­rung von Dou­zy nach Mes­sing­court. Sehr schön. Dort Rast am Bach, «Eu­len­brücke».

Dann Bahn­stre­cke bis Sainte-Céci­le, vor­bei am Cam­ping les Ca­b­ret­tes nach Chas­se­pièr­re. Im Ort Fla­men ge­trof­fen, sie spricht (har­tes) Fran­zö­sisch.

Cam­ping Trin­tigny 4-Ster­ne. An­fahrt über sehr schö­ne, neue Bahn­stre­cke, Be­ton­plat­ten, breit. Letz­te 5 km auf gut aus­ge­bau­tem Rad­weg ent­lang der N83, 2-3 m von der Stra­ße ge­trennt.

Tag 16: Cam­ping Trin­tigny - Cam­ping Mo­sel­la, Re­mich, 86 km, 680 Hm

Die Ku­rio­si­tät die­ses Ta­ges: Ich su­che ei­ne Kar­tu­sche Pri­mus Gas. Wal­traud hat re­cher­chiert, dass es das in ei­nem Ein­kaufs­zen­trum in Lu­xem­burg Stadt gibt. Wit­zi­ger Wei­se liegt es 30 m von der Tour ent­fernt.

Sé­cu­rité und Kran­ken­wa­gen. Schild.

Tag 17: Cam­ping Mo­sel­la - Cam­ping Wei­er­wei­ler Müh­le, 62 km, 929 Hm

Ich ver­las­se den Platz ge­gen 8 Uhr, wer­fe den Schlüs­sel für die Sa­ni­tär­an­la­gen in den Brief­kas­ten und fol­ge den An­ga­ben der Na­vi­ga­ti­on. Schon nach we­ni­gen Ki­lo­me­tern bie­ge ich auf ei­ne Stra­ße ein, die mit ei­nem der be­rüch­tig­ten Stei­gungs­schil­dern be­ginnt: Die­se Stra­ße steigt 250 Me­ter auf 5 km. Ku­ri­os ist, dass man den Rad­weg auf die lin­ke Sei­te des Auf­stiegs ge­legt hat, im­mer­hin mit Dop­pel­mar­kie­rung und akus­ti­schem Über­fahr­schutz. Die Steil­heit er­laubt ein ge­ra­des Hin­auf­fah­ren. Da­nach geht es durch Ort­schaf­ten und auf Ne­ben­stra­ßen, die es in sich ha­ben. Ein Mäh­dre­scher mit Ket­ten­an­trieb vor­ne über­holt mich am Berg. Da­nach fah­re ich ei­ni­ge Ki­lo­me­ter auf ei­ner Land­stra­ße.

Fahr­rad vor Brücke ab­ge­rutscht.

Auf den letz­ten zwei Ki­lo­me­tern fah­re ich über 60 Hö­hen­me­ter, am En­de sind es 929. Ein Hö­hen­me­ter­re­kord für die neue Uhr.

Tag 18: Cam­ping Wei­er­wei­ler Müh­le - Cam­ping Bo­stal­see, 48 km, 629 Hm

Ges­tern hat­te ich am Cam­ping Bo­stal­see an­ge­ru­fen und ge­fragt, bis wann ich an­kom­men kön­ne. Aber ich ha­be gut dar­an ge­tan, nicht so­weit zu fah­ren, denn dann wä­ren noch ein­mal 620 Hö­hen­me­ter da­zu ge­kom­men, wie­der auf ab­surd stei­len Stre­cken. Im­mer­hin ge­lingt es mir, an ei­nem REWE in Thai­len Bar­geld zu be­kom­men, 200 Euro. Der Um­weg ist ge­ring, der Nut­zen ist groß.

Der mitt­le­re Stre­cken­ab­schnitt ist mas­siv steil. Vie­le Pas­sa­gen schaf­fe ich nur, weil ich kreuz und quer über die Stra­ße fah­re. Da­bei ho­le ich fast ei­nen Strom­rad­fah­rer vom Rad, der sich am Ran­de vor­bei quet­schen muss. Sei­ne Frau kommt dem Sturz noch nä­her. Wie däm­lich muss man sein, die Si­tua­ti­on der­art falsch ein­zu­schät­zen?

Der Cam­ping­platz Bo­stal­see ist groß und fle­xi­bel hin­sicht­lich der Auf­nah­me von Ein­zel­wan­de­rern. Es gibt kein Tor und kei­ne Duschmar­ken, aber ei­ne Kar­te mit 10 Euro Pfand als Zu­gang zu den Du­schen. Die Zelt­plät­ze sind hin­rei­chend eben, Strom ist am Platz und im Preis von 26,50 Euro in­be­grif­fen.

An die­sem Tag über­schrei­tet die Zahl der Ki­lo­me­ter erst­mals die 1500er Mar­ke. Die Tour ist da­mit die längs­te seit 1993. Und noch lie­gen mehr als 270 km vor mir.

Tag 19: Cam­ping Bo­stal­see - Cam­ping Na­he­müh­le, 76 km, 580 Hm

Der Sonn­tag be­ginnt mit ei­ner Ka­ta­stro­phe. Beim Ver­las­sen des Cam­ping­plat­zes stel­le ich fest, dass der Frei­lauf nicht mehr funk­tio­niert, dies­mal ist es die Mecha­nik. Zwar be­kom­me ich ihn ans Lau­fen, aber nicht im­mer und nicht nach­hal­tig. Die 76 km bis zum nächs­ten Cam­ping wer­den ei­ne Tor­tur, ins­be­son­de­re bergab. Wenn ich nicht schnell ge­nug tre­ten kann, muss ich brem­sen. Im­mer­hin brin­ge ich das Rad bis ins Ziel.

Das Fah­ren mit ei­nem de­fek­ten Frei­lauf be­deu­tet, dass die Ket­te die Pe­da­le un­ent­wegt be­wegt.

Tag 20: Cam­ping Na­he­müh­le - Wei­ler, 54 km, 380 Hm

Fah­re vom Cam­ping­platz nach So­bern­heim, wo ich am Fahr­rad­la­den ... vor­stel­lig wer­de. Nach Ab­la­den und Aus­bau des Hin­ter­rads stellt der Chef fest, dass der Frei­lauf er­setzt wer­den muss. Vor Ort geht das nicht.

Be­vor ich Bad Kreuz­nach er­rei­che, steht hin­ter dem Nie­dertha­ler Hof noch ei­ne Berg­prü­fung auf dem Pro­gramm. Der Weg ist steil aber we­nig be­fah­ren, so­dass ich mit Me­an­drie­ren gut klar­kom­me. Die Ab­fahrt ist an­spruchs­voll oh­ne Frei­lauf, da der größ­te Gang nicht reicht, um mit­zu­tre­ten. Al­so bin ich viel mit der Brem­se un­ter­wegs.

Da­nach ver­su­che ich Freun­de an­zu­ru­fen, aber es geht nie­mand ans Te­le­fon. AB be­spro­chen, kei­ne Re­ak­ti­on.

Ca. 8 km vor Wei­ler las­se ich Goo­gle die Rou­te be­rech­nen. Über die Tal­stra­ße in Müns­ter-Sarms­heim führt der aus Mit­teln der EU fi­nan­zier­te Weg hin­auf auf die Hö­hen. Nach ei­ni­gen hun­dert Me­tern biegt man rechts ab auf ei­ne Schot­ter­pis­te, dann scharf links. Schließ­lich er­ken­ne ich den Weg wie­der, den wir vor Jah­ren, zu Fuß aus Rüm­mels­heim kom­mend, ge­nom­men hat­ten. Ge­gen 16 Uhr er­rei­che ich Wei­ler.

Tag 21: Wei­ler bei Bin­gen - Bonn, 139 km, 240 Hm

Ich hat­te mir fest vor­ge­nom­men, die Tour nicht über drei Wo­chen aus­zu­deh­nen. Das wür­de nur ge­hen, wenn ich die letz­ten 140 km an ei­nem Tag fah­ren wür­de. Das Wet­ter ist an die­sem Diens­tag ganz klar ge­gen mich. Gro­ße Hit­ze um 32°C und star­ker Ge­gen­wind am spä­ten Nach­mit­tag bis 40 km/h las­sen bö­ses ah­nen.

Nach 1.800 km und 12.800 Hö­hen­me­tern bin ich wie­der zu Hau­se. Das Rad geht am Tag da­nach zur Re­pa­ra­tur. Es wird auf ein kom­plett neu­es Hin­ter­rad her­aus­lau­fen nach 45.000 km Lauf­leis­tung.

Die Rei­se